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Joan Holender hat in einem Interview zur Wahrnehmung von Theater eine Bemerkung gemacht, die es wert ist, festgehalten zu werden: „Ich habe nie Theater für die gemacht, die vergleichen wollen. Wenn man ein Stück kennt und es in einer anderen Produktion sieht, hört man Bekanntes und sieht Neues. Das, was man gern hat, erkennt man nicht wieder - und ist einigermaßen derangiert. … Mir ging es immer um die, die das erste Mal kommen. Die muss man packen. Und dafür darf man fast alles außer langweilen.“ Das ist natürlich eine Kampfansage gegen die Gewohnheit, gegen verinnerlichtes Konsumentenverhalten, auch gegen die Überschätzung und Versklavung durch den Wiedererkennungswerts. Zugleich ist es eine Befreiung von der Albernheit, dass früher alles besser war. Immer war es natürlich anders. Bedeutsamer als die Kampfansage an Verkrustungen ist freilich das darin auch enthaltene Plädoyer für das Interesse an Neuem, Ungewohntem und Unbekanntem. Nicht wenige Inszenierungen wurden von einem (meist überwiegend) konservativen Publikum bei der Premiere und von Kritikern verrissen – und bekamen später Kultstatus. Man denke etwa an die eine oder andere Wagneropernpremiere. Ein jeder Engel ist schrecklich, heißt es in Rilkes erster Duineser Elegie. Eine Inszenierung kann gut oder schlecht sein. Was gilt – auch als Vielfalt gelten darf -, erweist sich erst im Ausloten des Andersseins. Und gerade da kann das Spiegeln, Rekonstruieren und Dekonstruieren zum Ereignis, zur Überraschung werden, zu etwas Neuem führen, während der platte Vergleich und das Entscheiden für die eine oder die andere Möglichkeit glatte Informationsvernichtung, zumindest Informationsverweigerung darstellt. Nur beim Ausloten der Differenzen wird der Wunsch erfüllt, den Hubert von Goisern in einem seiner Lieder formuliert:

                                                                                    I muass e nit euss vaste,

                                                                                    aber a Wengerl waar scho sche.


Dazu passt noch eine Bemerkung von Joan Holender, der zu Recht darauf hinweist, dass sich eine Aufführung nur begrenzt im Fernsehen vermitteln lässt: Wenn ich aus der Oper komme, bin ich mitgenommen, hingerissen, verärgert, was auch immer. Sehe ich die Oper im Fernsehen, gehe ich danach einfach ins Bett. Auch das muss möglich sein. Anregungen und Neugier kann auch das Fernsehen wertvoll machen. Dennoch: Eine Krücke bleibt eine Krücke. Nur wer sie wegwirft, merkt, ob er wieder gehen kann.


Nicht nur aus gegebenen Anlass, voller Neugier auf neue Unterschiede (Immer neu sei die Erfahrung; Johann Wolfgang von Goethe), immer wieder: Auf zu den Musen und in das neue Haus der Musik in Innsbruck!



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